Reliquienschrein der Familie Schell
Holzkasten in Form einer vorne verglasten Hängevitrine auf abgeflachtem sechseckigem Grundriss, mit dreiteiligem Aufbau.
Der Korpus von zwei auf Voluten ruhenden Säulen flankiert, vorne mit Schiebetür aus sechseckigen, in Blei gefassten Butzenscheiben versehen, darin - an der Wand des Schreins - auf cremeweissem Textilgrund 92 farbige, rechteckige, ausgepolsterte Kisschen in neun senkrechten Reihen, die Reliquien enthalten (3 Kissen fehlen). Sie sind aufwendig mit goldfarbenen Spitzenborten und kleinen, farbig gefassten metallenen Applikationen mit diversen Motiven (Engelsköpfe, Rosetten, Herzen, Eicheln, etc.) verziert. Jeder Reliquie ist ein Papierstreifen zugeordnet, auf dem der Name des oder der Heiligen mit roter Tinte handschriftlich vermerkt ist (die sogenannte Cedula). Die Cedulae sind über den Kissen angebracht. In der Mitte befindet sich ein quadratisches Tuch mit fünf (Knochen?)Stücken in Fassung von grossen Rosetten aus Drahtarbeiten und Glasperlen(?) sowie ein ovales Medaillon mit Inschrift "S. Reliquien". Darüber eine Skulptur von Gottvater und Heiligem Geist (Inv. 21245.3), die mit einem Nagel an der Wand des Reliquienschreins befestigt ist. Ursprünglich befanden sich im Schrein mehrere Figuren.
Der Korpus mit vorspringendem Gesims mit teilweise vergoldeten Wellenprofilen, darüber Bekrönung mit Kreuz. Unten Sockel mit zwei Konsolen und dekorativem Abschluss mit einem querovalen Medaillon in der Mitte; im Medaillon die Inschrift «Restaur. / von / Familie Schell. / 1894». Darunter ein kleines, schlichtes, aber ebenfalls vorspringendes Gesims, das von zwei weiteren Konsolen getragen wird.
Gemäss Quellen kam das Objekt durch Erbschaft vom bischöflichen Kanzler Carl Joseph Franz Xaver Stadlin in Familienbesitz, der es wiederum von Bischof Lachat erhalten haben soll. 1965 gelangte das Objekt als Legat ins Kloster Maria Opferung in Zug.
Ursprünglich befanden sich im Schrein, neben dem Gottvater, mehrere Figuren (siehe Foto 1):
- die Heilige Familie - Jesus, Maria und Josef - auf der Wanderschaft (Inv. 21245.2), die zusammen mit dem Gottvater und dem Heiligen Geist (Inv. 21245.3), die Darstellung des "Heiligen Wandels" bildet,
- und zwei Mönche (Inv. 21245.4 und 21245.5).
Aktuell werden sie aus konservatorischen Grünen separat aufbewahrt.
Der Reliquienschrein stammt aus dem ehemaligen Kapuzinerinnenkloster Maria Opferung in Zug. Nach dem Tod der Mutter Oberin 2019 und dem Wegzug der letzten Schwestern aus dem Kapuzinerinnenkloster Anfang 2021 ging das Kloster in den Besitz des Vereins Kloster Maria Opferung über. Der Verein entschied sich, die Gebäude zu sanieren und sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Im Rahmen des Erschliessungsprojekts «Kloster Maria Opferung» (2021–2024) gelangten diverse Objekte ins Museum Burg Zug, unter anderem auch der Reliquienschrein. Weitere Informationen zum Erschliessungsprojekt finden Sie im Artikel «Das mobile Kulturgut aus dem ehemaligen Kapuzinerkloster Maria Opferung in Zug. Über 400 Jahre zugerische Sakral-, Kultur- und Bildungsgeschichte in Objekten» Dr. Marco Sigg, Tugium 40 2024, Seite 87–158.